Die Klinik ist nicht so wahnsinnig groß, soll so um die 200 Betten haben, wobei ein paar Zimmer als Doppelzimmer für Begleitpersonen eingerichtet sind. In den Zimmern gab es einen kostenlosen Fernseher und einen kleinen Kühlschrank, meistens auch einen Balkon, an dem eine Wäscheleine angebracht war. Unten nach dem Eingang kam man gleich in eine Cafeteria und Aufenthaltshalle mit Terasse. Die Cafeteria war bis 19 Uhr besetzt, es sei denn es waren Veranstaltungen, dann gab es schon mal Verlängerungen bis spätestens kurz vor Neun. Die Veranstaltungen waren Vorführungen verschiedener Gruppierungen aus dem Umkreis. Mal waren es Tinka und Anneliese, die auf Zither und Geige Volkslieder darboten, mal war es der Shantychor Kreiensen, der neben maritimen Liedern allerlei Volkslieder vortrug, bis hin zu Georg, Walter und Benno, die zwischen den Volksliedern sowas wie Witze mit verkleiden machten. Lichtblick war eine Tapdance- Gruppe. Nach den Veranstaltungen ebenso wie zu den Essenszeiten erklang aus dem Lautsprecher leise Hintergrundmusik wie aus NDR 1. Das Publikum passte altersmäßig zum guten Teil dazu, es gab aber auch viele jüngere. Mir schien, als ob bei der Zusammensetzung der Tische darauf geachtet würde, dass man altersmäßig in etwa zusamenpasst.
Das Essen fand ich insgesamt eher lecker mit zwei Ausreißern, die gar nicht meinem Geschmack entsprachen. Einmal in der Woche wurde ein Plan verteilt, auf dem man von Mo-Fr unter vier Gerichten wählen konnte: normal, Schonkost, vegetarisch und das vierte Gericht. Am Wochenende war die Auswahl kleiner, Samstags waren zwei von drei Gerichten Eintopf (einmal mit Fleisch und einmal ohne). Das Salatbüffet wurde immer mal wieder aufgefüllt und fast immer gab es Frischzeugs. Abends gab es verschiedene Industriebrotsorten, Knäckebrot und Zwieback, manchmal Brötchen. Regelmäßig gab es noch irgendwelche warmen Leckerchen wie heiße Kartoffeln mit Quarksoße oder Suppe oder Frikadellen oder…. An der Wurst- Käse- und Salattheke in der Mitte war es als Fleischesser ratsam, zum richtigen Zeitpunkt dazusein; das Hack oder andere nette nicht alltägliche Aufschnitte hielten nie länger als 5 Minuten, und wenn einmal um 17.30 und einmal um 18.00 aufgetragen wird, sind das auch bloß 10 Minuten. Wenn man ernährungstechnisch eingeschränkt ist, lohnt sich unbedingt ein möglichst schneller Besuch bei der Ernährungsberatung, dann gibt es auch frisch gebackenes Brot an den Tisch oder besonderen Aufschnitt. Ich hatte Aufbaukost und mehr Trinken, das hieß in meinem Fall ein Vitamalz und ein Saft sowie (trocken) Kekse, einen Sahnejoghurt, einen Pudding und Maltodextrin. Ach so, trinken: Mittags gab es immer 2 Sorten Wasser am Tisch, abends Tee in vielerlei Variationen sowie koffeeinfreien Pulverkaffee. Draußen vor dem Speisesaal war rund um die Uhr eine Abfüllanlage zu erreichen für Wasser mit und ohne Kohlensäure. Nach dem Mittagessen standen aber auch immer nicht ganz geleerte Wasserflaschen zum mitnehmen, leermachen und wiederauffüllen bereit. Mittags wird in zwei gruppen gegessen.
Ein wenig gewöhnungsbedürftig für Plattländler ist der Fahrstuhl, der sein Erdgeschoss in der 2 hatte, falls man vorne rauswollte. Hinten raus war 1 aber richtig. Ja, es war hügelig, aber es gab Serpentinen, die man runterlaufen konnte. Knapp unterhalb der Klinik ging es schon um zwei kleinen Seen Richtung Kurpark und Richtung “Stadt”, die man in 15 - 20 Minuten zu Fuß erreichen konnte oder um 15.00 mit dem kostenlosen Taxi direkt von der Kliniktür aus. Die Stadt ist relativ winzig und bietet für Menschen unterhalb des Rentenalters.. ja, Ramba Zamba, der Ramschladen aus dem Fernsehen ist voll der Höhepunkt des Ortes. Dafür gibt es einen Plus und einen großen Edeka in 15 Minuten fußläufiger Entfernung. Nichtsdestotrotz ist die Stadt recht niedlich mit allerhand Fachwerkhäusern. Wer in den Dom will, sollte sich warm anziehen: es ist kalt da drin! Das kommt nicht von mir, sondern von mehr als einer Nicht- frostkötelin! Wer im August kommt hat Glück und bekommt etwas von den Domfestspielen mit, die wahrscheinlich recht nett sind. Ich habe leider nur den Aufbau gesehen. An der Rezeption lagen aber für Sonntags immer Busfahrten in die Umgebung zum eintragen aus, hier konnte man sich auch für das Taxi in die Stadt oder für die Kegelbahn eintragen. Auch Spiele gab es hier zu leihen.
Die Anwendungen sowie die restliche Betreuung waren sehr gut. Die Klinik bietet eine spezialisiertes psychoonkologische Reha, an der ich teilgenommen habe und die mir sehr gut getan hat. Es es im Prinzip ein rudimentärer Grundkurs Psychologie, in dem man lernt, wie und worauf sich Gefühle wie z.B. Angst aufbauen und wo man Hebel hat, damit umzugehen. Ein guter Teil in diesem Programm sind Entspannungsübungen wie Meditation oder progressive Muskelentspannung. Meditation ist immer noch nichts für mich, aber ich war noch nie so entspannt wie in dieser Reha! Man hat in diesem Programm auch einen Bezugspsychologen, für den man jederzeit einen Termin vereinbaren kann.
Einmal in der Woche hat man Visite und die erste Frage ist: sind die Anwendungen OK so oder muss etwas verändert werden? Falls irgend etwas einen überfordert, unterfordert oder einfach nicht das Richtige ist, Bescheid sagen und es wird sich gekümmert. Kümmern tun sich irgendwie alle ganz rührend, von der Rezeption bis zum Arzt. Das einzig möglich negative ist die Terminplanung: die Anwendungen dauern jeweils eine halbe Stunde und wenn man zwei nacheinander hat, muss man möglicherweise an zwei Orten zugleich sein.